Amphibien- und Reptilienschutz (Aufwertung von Habitaten)

Wie viele andere Tiergruppen haben auch unsere Amphibien und Reptilien in zahlreichen Gegenden einen schweren Stand und brauchen unsere Hilfe. Gefährdet sind die Amphibien und Reptilien in der vom Menschen dicht besiedelten Umwelt hauptsächlich durch den Lebensraumverlust. Die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, der Einsatz von Giften, Flurbereinigungen und Trockenlegungen sind weitere Gründe für den Rückgang vieler Arten.

 

Zwar sind heute europaweit die meisten Amphibien- und Reptilienarten und teilweise auch ihre Lebensräume ge-schützt. Der blosse Schutz durch Gesetze reicht jedoch nicht, um das regionale bis grossflächige Aussterben verschie-dener Arten verhindern zu können. Pflege und Aufwertung sowie Neuschaffung von Lebensräumen können zumin-dest die noch bestehenden Populationen stützen und fördern. Je nach Habitat und zu fördernder Art sind ganz un-terschiedliche Massnahmen erforderlich. Amphibien lassen sich im Allgemeinen leichter aktiv fördern als Reptilien.

 

Im Folgenden werden einige Habitataufwertungen aus verschiedenen Gegenden der Schweiz vorgestellt.

Neu angelegtes Temporärgewässer für Pionierarten wie Kreuzkröte, Laubfrosch und Gelbbauchunke im Kanton Solothurn
Neu angelegtes Temporärgewässer für Pionierarten wie Kreuzkröte, Laubfrosch und Gelbbauchunke im Kanton Solothurn

Fast alle Amphibienarten sind für die Fortpflanzung auf Gewässer angewiesen. Genauso wichtig sind ihre Land-lebensräume. Ohne Laichgewässer nützen aber auch intakte, naturnahe Landhabitate nichts. Vielenorts werden des-halb alte, verlandete Gewässer aufgewertet oder neue Tümpel und Weiher geschaffen. Vor allem unsere Pionierarten wie Laubfrosch (Hyla arborea), Kreuzkröte (Bufo calamita) und Gelbbauchunke (Bombina variegata) benötigen Tem-porärgewässer, die im Sommer auch durchaus austrocknen dürfen. Da heute fast überall die natürliche Dynamik der Flüsse fehlt, sind solche Flachgewässer selten geworden. Neu angelegte Tümpel werden deshalb heute oft sogar mit solarbetriebenen Pumpen sowie mit Abflüssen ausgestattet, um im Bedarfsfall den Wasserstand regeln zu können.

Neuer Lebensraum für einheimische Reptilien
Neuer Lebensraum für einheimische Reptilien

Reptilienhabitate im Kulturland lassen sich beispielsweise durch das Anlegen von Lesestein- und Asthaufen, Trocken-mauern und Hecken aufwerten. Randbereiche extensiv genutzter Landwirtschaftsflächen eignen sich besonders gut für solche Massnahmen.

Lichtungsschlag zur Förderung von Schlingnatter und Aspisviper, Kanton Solothurn
Lichtungsschlag zur Förderung von Schlingnatter und Aspisviper, Kanton Solothurn

Früher holte sich die Landbevölkerung ihr Brennholz im Wald, wobei vor allem Gebüsch und Totholz gesammelt wur-de. Zudem wurde das Vieh (vor allem Ziegen) zum Weiden in den Wald getrieben. Viele Waldgebiete wurden als Nie-derwald oder Mittelwald bewirtschaftet. Dadurch blieben offene, sonnige Stellen im Wald erhalten, an denen sich Reptilien und andere wärmeliebende Arten ansiedeln konnten. Heute fallen diese Faktoren weg. Viele für Reptilien geeignete Schuttfluren im Jura wuchsen deshalb während der letzten Jahrzehnte zu und präsentieren sich heute zu schattig, um Schlangen und Echsen dauerhaft Lebensraum zu bieten. Auch in den Alpen vergrössert sich die Wald-fläche kontinuierlich, da viele Alpweiden nicht mehr bewirtschaftet werden. Dem versucht man heute mit gezielten Lichtungsschlägen an felsigen Südhängen und in Schuttfluren entgegenzuwirken.

Nach einem Pflegeeinsatz für unsere alpinen Reptilienarten (karch-Mitarbeiter und freiwillige Helfer, Berner Oberland, November 2015)
Nach einem Pflegeeinsatz für unsere alpinen Reptilienarten (karch-Mitarbeiter und freiwillige Helfer, Berner Oberland, November 2015)

Viele Pflegemassnahmen wie grössere Rodungen werden durch Forstbetriebe durchgeführt. Regional werden auch Pflegeeinsätze durch Naturschutzorganisationen, Interessengemeinschaften und Vereine organisiert. Oft sind solche Einsätze nicht speziell auf Amphibien und Reptilien zugeschnitten, diese profitieren aber trotzdem, wenn beispiels-weise Hecken gepflegt, Tümpel angelegt oder Orchideenstandorte entbuscht werden. Die karch organisiert ebenfalls Freiwilligeneinsätze in verschiedenen Landesgegenden. Oft geht es dabei darum, einem Habitat noch den gewissen "Feinschliff" zu geben. Dies beinhaltet unter anderem das Wegräumen des anfallenden Schnittguts und das Schaffen von Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen. Reptilienkenner unter den Freiwilligen haben ein Auge dafür, auf was es ankommt (Standort, Exposition, Deckungsgrad, usw.). Ausgewählte Gebiete werden anschliessend an die Pflegeein-sätze mit Ziegen oder schottischen Hochlandrindern beweidet, um einem zu schnellen erneuten Zuwachsen vorzubeu-gen. Erfolgskontrollen (Monitoring) in aufgewerteten Habitaten geben Aufschluss über die Entwicklung der zu för-dernden Amphibien- und Reptilienpopulationen. Die so gewonnenen Erfahrungswerte helfen, ein Habitat auch wei-terhin in einem optimalen Zustand zu halten, weitere nötige Eingriffe zu planen und fliessen auch in andere Projekte ein.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man dem bei Pflegemassnahmen anfallenden Schnittgut schenken. Nach Möglichkeit sollte nach einem Eingriff ein Grossteil der Stämme, Äste und Zweige aus den Habitaten entfernt werden. Einzelne Asthaufen im Randbereich von Geröllflächen oder an Stellen, wo sonst keine Sonn- und Versteckplätze bestehen, sind zwar durchaus förderlich. Bleibt zu viel Schnittgut liegen, entsteht jedoch durch das Verrotten des Pflanzenmaterials Humus und die Böden trocknen weniger schnell ab. Gerade auf vorher bewuchsfreien Geröllflächen und mageren Böden erreicht man damit das Gegenteil von dem, was man eigentlich erzielen möchte und die Vegetation wächst noch schneller hoch als vor dem Auslichten. Ein 2011 durch den Kreisförster Martin Roth erstelltes und 2015 durch die karch aktualisiertes Merkblatt gibt spezifische Tipps zu dieser Thematik: http://www.karch.ch/files/live/sites/karch/files/Doc_a_telecharger/Reptiles%20div./Empf_Rept.hab.Wald_06.2015_D.pdf

 

Weitere Informationen dazu, wie Amphibien und Reptilien gefördert werden können, finden sich auf der Website der karch http://www.karch.ch/.